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05.02.2020 | Maria E. Rotter
Hassgewalt in Berlin bekämpfen
Veranstaltung mit Experten im Café Ulrich
Die Polizeistatistik belegt es: Die Zahl der Straftaten gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle und trans Menschen in Berlin hat zugenommen. Bei einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung auf Einladung der LSU Berlin erläuterten Experten unter anderem, welche Hilfsangebote es in Berlin bereits gibt und wie man diese nutzen kann.
Die Zahlen sind erschreckend: Wurden in den ersten drei Quartalen 2018 noch 184 Fälle von Hasskriminalität und Hassgewalt gegen LGBTI erfasst, waren es bis Ende September 2019 bereits 261 Fälle, vorwiegend Beleidigungen und Körperverletzungen. Laut Staatsanwalt Markus Oswald und Polizeioberkommissarin Anne Grießbach ist aber das gesamte Spektrum der Kriminalität in Verbindung mit Vorurteilen gegenüber LGBTI-Personen anzutreffen: Sachbeschädigung, Erpressung, Bedrohung, Raub, Vergewaltigung - das gesamte Strafgesetzbuch spiegle sich in der Statistik der Hasskriminalität wider.

Hemmungen bei der Anzeige abbauen
Grießbach ist Ansprechperson für LGBTI bei der Berliner Polizei, Oswald ist in gleicher Funktion bei der Berliner Staatsanwaltschaft tätig. Beiden ist wichtig an diesem Abend vor allem dafür zu werben, dass mehr Übergriffe angezeigt werden. Denn es koste Betroffene oft Überwindung, sich an die Polizei zu wenden, ihr zu vertrauen. Um diese Hürden abzubauen, trainiert und sensibilisiert Grießbach regelmäßig Berliner Polizeischüler und Polizeischülerinnen. Ihr ist wichtig, dass Betroffene wissen, dass sie 25 Jahre nach der Abschaffung des § 175 StGB der Polizei vertrauen und auf sie zählen können, wenn sie als Schwule, Lesben, Bisexuelle oder trans Personen angegriffen werden.

Wertvolle Betreuung für Betroffene
Denn auch vermeintlich kleine Übergriffe wie Beleidigungen könnten als Mikrotraumata auf Dauer zu schwersten seelischen Schäden führen, warnt Oswald. Ein wichtiger Ansprechpartner für Betroffene ist daher das schwule Anti-Gewalt-Projekt Maneo. Dessen Leiter Bastian Finke berichtet, dass viele Betroffene Übergriffe aus Angst vor ausbleibender Unterstützung nicht anzeigen. "Es ist sehr prägend, wenn unterstützende Erfahrungen in der Jugend fehlen", so Finke. Maneo erfasst auch Fälle, die nicht zur Anzeige gebracht werden: 2018 zählten Finke und seine Kollegen in Berlin 382 Übergriffe - 18 Prozent mehr als im Vorjahr.
Finke verweist auch auf die Gewaltschutzambulanz der Berliner Charité, die Körperverletzungen auch dann dokumentieren sichern kann, auch wenn noch unklar ist, ob der oder die Betroffene Anzeige erstatten möchte. Für ein mögliches Verfahren sind die Beweise dann trotzdem gerichtsfest gesichert.

Wer aber sind die Täter von Hass und Gewalt gegen LGBTI? Staatsanwalt Oswald erklärt, diese seien in der Regel männlich, über 21 Jahre alt und deutsche Staatsangehörige. Zudem seien bei diesen Straftaten Jugendliche, Heranwachsende sowie türkische Staatsangehörige überrepräsentiert.
Die meisten Übergriffe gibt es in Mitte, Tempelhof-Schöneberg, Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln.

Nicht der Freiheit berauben lassen
Heißt das, man sollte diese Stadtteile nun meiden oder nicht mehr Händchen halten, fragt jemand aus dem Publikum. Ein ganz klares Nein dazu kommt von Dirk Spengler, dem Leiter der Abteilung Staatsschutz im LKA. Die Übergriffe dürften nicht dazu führen, dass Schwule und Lesben nicht mehr sichtbar sind. "Wenn wir uns zurückziehen, geben wir der Täterseite die Macht, die sie nicht haben darf." Sabine Schumann, Beisitzerin im Landesvorstand der CDU Berlin und selbst Polizistin, stimmt ihm zu: "Das dürfen wir nicht zulassen, dann sind wir nicht mehr frei.“
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